Fragen & Antworten
Die häufigsten Fragen zum Thema Bluthochdruck:
1. Treiben Kaffee, Tee, Kakao, Cola den Blutdruck in die Höhe?
Der Konsum von Kaffee, Tee, Kakao und Cola-Getränken ist weit verbreitet. In Kaffee und Tee ist Coffein, in Kakao Theobromin enthalten. Obgleich der Coffeingehalt der Teeblätter höher ist als der von Kaffeebohnen, hat das fertige Getränk etwa den gleichen Gehalt an Coffein: eine Tasse Kaffee oder eine Tasse Tee enthalten 100 – 150 mg. 1 Liter Cola enthält ebenfalls etwa 100 – 150 mg Coffein. Coffein regt das zentrale Nervensystem an, dadurch wird der Gedankenfluss schneller und klarer, Schläfrigkeit und Müdigkeit verschwinden. Auch die Aktivität bestimmter Nervenzentren wird gesteigert. Die Blutgefäßen werden meist erweitert. Die Arterien (Schlagadern) im Gehirn werden dagegen enggestellt. In Bezug auf den Blutdruck sind zwei gegenläufige Effekte vorhanden, so dass sich im Einzelfall die Wirkung des Coffeins nicht vorhersagen lässt. Einerseits werden die Gefäßnerven und das Herz angeregt, das führt zur Blutdrucksteigerung. Andererseits bewirkt die Gefäßerweiterung einen Blutdruckabfall. Als Resultat findet sich häufig ein geringer Anstieg des Blutdruckes, der aber 10 mmHg selten überschreitet.Mäßiger Kaffee- oder Teegenuss sind daher auch für den Patienten mit Bluthochdruck gestattet. Natürlich hängt dies auch davon ab, wie hoch Ihr Ausgangsblutdruck ist. Fragen Sie also besser noch einmal Ihren Arzt, der Sie kennt und Ihnen den für Sie passenden Ratschlag geben kann.
2. Welche Nebenwirkungen können blutdrucksenkende Medikamente haben?
Es gibt sehr viele blutdrucksenkende Mittel aus verschiedenen Stoffklassen, die im menschlichen Körper an unterschiedlichen Stellen angreifen, um ihre Wirkung zu entfalten. Dementsprechend können auch alle möglichen unterschiedlichen unerwünschten Begleitwirkungen auftreten, je nachdem, welches Präparat Sie einnehmen. Da eine Bewertung im Einzelfall aber nur der Arzt vornehmen kann, sollten Sie unbedingt jede Erscheinung, die Sie an sich beobachten und auf die Einnahme des Präparates zurückführen, mit Ihrem Arzt besprechen. Nur er kann entscheiden, ob Sie das Präparat unverändert einnehmen können, oder ob eventuell eine Veränderung der Dosis oder ein Wechsel auf ein anderes Medikament notwendig ist. Bitte denken Sie immer daran, dass es praktisch kein Medikament gibt, das neben den erwünschten keine unerwünschten Wirkungen hat. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über das, was Sie an sich beobachten und entscheiden Sie mit ihm zusammen, was zu tun ist.
3. Kann ich durch Bluthochdruckmittel impotent werden?
Es ist bekannt, dass manche Arzneistoffe zu Störungen des Geschlechtslebens führen können. Dies trifft auch für die Medikamente zu, die zur Behandlung des Bluthochdrucks eingesetzt werden. Die häufigsten dieser Störungen beim Mann sind Erektionsstörungen, Verlust des sexuellen Verlangens (Libidoverlust) oder Hemmung des Samenergusses (Ejakulation). Bei der Frau finden wir Libidoverlust, Verminderung der Produktion des Gleitmittels in der Scheide oder fehlende Orgasmen. Diese Störungen können, wie gesagt, im Prinzip unter allen Bluthochdruck-Medikamenten auftreten, allerdings mit unterschiedlicher Häufigkeit. D.h., es gibt Mittel, die diese Nebenwirkung oft verursachen, und andere, bei denen sie so gut wie nie vorkommt. Zu beachten ist allerdings, dass die Blutdrucksenkung allein bereits einen Effekt z. B. auf die Potenz haben kann. Dies liegt daran, dass sich der Körper über längere Zeit hinweg auf den zu hohen Blutdruck eingestellt hat und dann den gesenkten (= normalisierten) Druck als zu niedrig empfindet. Das kann zu Müdigkeit, Mattigkeit, vorzeitiger Erschöpfung u.ä. führen. Es dauert aber nur relativ kurze Zeit, bis sich der Körper auf die neue Situation eingestellt hat und den normalisierten Blutdruck auch wirklich als „normal“ empfindet.Zu beachten ist, dass es auch Krankheiten gibt, in deren Gefolge Sexualstörungen auftreten können (z. B. Zuckerkrankheit). Und nicht zuletzt spielt auch das seelische Wohlbefinden eine große Rolle. Dass ständiger Stress für das Geschlechtsleben auch nicht gut ist, ist heutzutage wohl allgemein bekannt. Nicht immer also ist ein Medikament „schuld“.Ihr Arzt weiß darüber Bescheid, bei welchen Medikamenten Sexualstörungen häufig auftreten und bei welchen weniger oft. Wenn Sie also ein Bluthochdruckmedikament einnehmen und Störungen Ihres Geschlechtslebens an sich feststellen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Er wird Ihnen sicher helfen können, z. B. durch Umstellung auf ein anderes Medikament oder eine andere geeignete Maßnahme.
4. Wann muss ich meine Blutdruck-Medikamente einnehmen?
Bluthochdruckmittel müssen regelmäßig eingenommen werden, damit eine möglichst gleichmäßige Wirkung gewährleistet ist und allzu starke Schwankungen des Blutdrucks im Tagesverlauf vermieden werden. Wie oft das Medikament am Tag eingenommen werden muss, um dieses Ziel zu erreichen, das ist von Präparat zu Präparat unterschiedlich und natürlich auch von der individuellen Reaktion des Patienten abhängig. Bei modernen Medikamenten ist vielfach eine nur ein- oder zweimalige tägliche Gabe erforderlich, bei älteren dagegen oft eine dreimalige Einnahme pro Tag. Je weniger Tabletten pro Tag erforderlich sind, desto einfacher ist die Einnahme, d.h., man vergisst das Medikament nicht so leicht.Wenn Sie eine Bluthochdruckbehandlung beginnen, ist es daher meist nötig, die für Sie beste Dosis zu ermitteln, bei der das gewünschte Ziel der Blutdrucksenkung erreicht wird, ohne dass Nebenwirkungen auftreten. In der ersten Zeit werden Sie daher für gewöhnlich – natürlich nur auf Anweisung des Arztes – verschiedene Dosierungen ausprobieren. Das kann auch einmal bedeuten, Tabletten zu teilen, um die Dosierung noch besser an Ihre persönlichen Belange anzupassen. Auch im Verlaufe der Behandlung kann es nötig sein, einmal die Dosis zu ändern. Um die beste blutdrucksenkende Wirkung über den ganzen Tag zu erreichen, kann es mitunter zweckmäßig sein, das Dosierungsschema abzuwandeln und die optimale Einnahmezeit individuell zu ermitteln, z. B. durch eine automatisierte Blutdruckmessung über 24 Stunden. Sollte dies bei Ihnen sinnvoll sein, wird Ihr Arzt Ihnen dies sagen.Wenn Sie Ihre Blutdruckmedikation einmal vergessen, hat das normalerweise keine schlimmen Folgen. Allerdings sollte dieses „Vergessen“ nicht zu lange dauern. Bei manchen Bluthochdruckmitteln können nämlich gewisse „Entzugserscheinungen“ auftreten (z. B. Unruhe, Schweißausbrüche u.a.m.), ganz abgesehen davon, dass dann auch der Blutdruck wieder ansteigt.
5. Ist der Blutdruck während des ganzen Tages immer gleich?
Die Höhe des Blutdruckes hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab und schwankt während des Tages stark. Dennoch ist das grundlegende Muster bei den meisten Patienten ähnlich. Die Zeitpunkte hohen und niedrigen Blutdruckes während des Tagesablaufs sind nicht zufällig, sondern von den biologischen Funktionen des Körpers abhängig.Im 24-Stunden-Zyklus weist der Blutdruck zwei Spitzenwerte auf, zwischen etwa 7.00 und 10.00 Uhr vormittags und um etwa 16.00 bis 19.00 Uhr nachmittags. Anschließend kommt es in den Nachtstunden zu einem bis 3.00 Uhr morgens dauernden stetigen Druckabfall, dem ein langsamer Druckanstieg bis zum Zeitpunkt des Erwachens folgt. Diese Blutdruckschwankungen findet man in ähnlicher Weise sowohl bei Gesunden wie bei Hochdruckpatienten. Allerdings sind die Abstände zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert bei Hypertonikern größer als bei Gesunden. Während des Tages reagiert der Blutdruck natürlich auf geistige und körperliche Betätigung, aber auch Gefühlsreaktionen tragen zu den Schwankungen bei. Eine einmalige Messung sagt daher noch nicht viel darüber aus, ob tatsächlich ein Bluthochdruck besteht. Um diesen Befund zu festigen, sind mehrere Blutdruckmessungen im zeitlichen Abstand von jeweils mehreren Tagen erforderlich.
6. Ich fahre in Urlaub. Muss ich da bei meinem Bluthochdruck besonders aufpassen?
In der klimatisch gemäßigten Zone Westeuropas unterliegen die Bewohner durch den ständigen Kampf atlantischer mit kontinentalen Luftmassen einem „Training“ in bezug auf die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche klimatische Gegebenheiten. Bei der Bevölkerung Westeuropas zeigen sich daher deutliche jahreszeitliche Schwankungen. Der Blutdruck ist im Frühjahr und Spätherbst höher als im Winter und Sommer. Der Unterschied beträgt etwa 8 – 9 mmHg systolisch und ca. 5 mmHg diastolisch.Daneben beeinflussen auch die Veränderungen des Wetters den Blutdruck. Starke Hitze führt zu einer Verminderung, starke Kälte zu einer Erhöhung des Blutdrucks. Das Ausmaß der Reaktion ist von Person zu Person unterschiedlich und lässt sich nicht vorhersagen, ist aber wohl bei Patienten mit Bluthochdruck stärker ausgeprägt als bei Gesunden. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass der Aufenthalt in großen Höhen zu einer zum Teil anhaltenden Senkung des Bluthochdrucks führen kann. Dies gilt auch für sehr tief gelegene Orte (z. B. am Toten Meer). Früher wurde oft die Meinung vertreten, dass Patienten mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems Höhen über 1000 m meiden sollten. Dies ist aber eindeutig überholt. Gebirgsaufenthalte sind im Gegenteil nützlich für diese Patienten und können sogar alten Menschen empfohlen werden. Untersuchungen an Hochdruckpatienten in großen Höhen ergaben ohne medikamentöse Therapie in der ersten Woche des Höhenaufenthaltes einen Abfall des Blutdrucks, der in den ersten zwei Wochen nach Rückkehr in Tallagen nochmals abnahm. Dieser blutdrucksenkende Effekt hielt acht Monate lang an. Parallel zu dieser Blutdrucknormalisierung fand sich auch eine Besserung der Beschwerden der untersuchten Patienten. Bevor Sie als Hochdruckpatient einen Aufenthalt im Hochgebirge planen, sollten Sie aber auf jeden Fall Ihren Arzt sprechen.
7. Darf ich auch mit zu hohem Blutdruck in die Sauna gehen?
Die finnische Sauna hat einen positiven Einfluss auf den Kreislauf. Untersuchungen haben gezeigt, dass Saunaanwendungen bei Hochdruckpatienten in 55 % der Fälle die Ergebnisse der medikamentösen und der nichtmedikamentösen Behandlung verbessern. Insbesondere findet sich ein günstiger Effekt auf den Ruheblutdruck. Eine finnische Studie konnte selbst bei Herzkranken keine gefährlichen Rhythmusstörungen nachweisen, solange sich die Patienten der Hitze vernünftig aussetzten und die Abkühlphasen genügend langsam erfolgten. Sauna-Neulinge, Ältere und Herzkranke sollten vorsichtig mit der Sauna beginnen und sich zunächst nur 5 Minuten in der Hitze aufhalten. Am besten, Sie fragen Ihren Arzt zuvor, ob bei Ihnen irgendwelche Gründe gegen den Saunabesuch sprechen. Bei Fieber, nach Alkoholgenuss und nach anstrengender Arbeit sollte kein Saunagang erfolgen.
8. Beeinflusst die „Pille“ den Blutdruck?
Die Dauerbehandlung mit natürlichen Östrogenen und Gestagenen (weibliche Sexualhormone) führt nicht zu Bluthochdruck, selbst wenn sie über lange Zeit erfolgt. Dagegen haben Untersuchungen mit den synthetischen Hormonen, wie sie z. B. in den Empfängnisverhütungsmitteln (orale Kontrazeptiva, „Pille“) vorkommen, gezeigt, dass die Häufigkeit von Bluthochdruck bei den Frauen, die diese Mittel einnehmen, höher ist als bei Frauen, die sie nicht einnehmen. Nähere Informationen dazu können Sie bei Ihrem Arzt erhalten und bei den Firmen, die derartige Hormonpräparate herstellen.
9. Darf ich auch mit zu hohem Blutdruck fliegen?
Patienten, deren Bluthochdruck gut eingestellt ist und die keine anderen Krankheiten haben, die gegen Flugreisen sprechen, dürfen ohne Einschränkung fliegen. Liegen dagegen Risikofaktoren vor, z. B. Herzkrankheiten, so muss in jedem Einzelfall – eventuell zusammen mit einem Vertragsarzt der Fluggesellschaft – die Flugtauglichkeit überprüft werden. Wenn Sie also eine Flugreise planen, vor allem eine längere, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Er wird Ihnen sagen können, ob Sie ohne Bedenken fliegen können.
10. Wie verändert sich der Blutdruck mit zunehmendem Alter?
Jenseits des 60. Lebensjahres wird bei vielen Menschen ein erhöhter Blutdruck gefunden. Dabei treten verschiedene Formen auf: häufig ist nur der systolische Blutdruck erhöht, vielfach sind systolischer und diastolischer Blutdruck erhöht, und manchmal nur der diastolische. Der Nutzen einer Hochdruckbehandlung auch in höherem Lebensalter ist durch klinische Studien belegt. Die Therapie beugt Folgeerscheinungen der Hypertonie (Bluthochdruck) vor, so z. B. dem Schlaganfall und anderen Herz-Kreislauf-Komplikationen, so dass Sie die Behandlungsvorschriften Ihres Arztes sorgfältig einhalten sollten.
11. Was bedeutet der Begriff „Pulse Pressure“ oder „Pulsdruck“?
Sie wissen, dass der Blutdruck immer in Form eines Zahlenpaares in der Messeinheit mmHg (= Millimeter Quecksilbersäule) angegeben wird, z. B. 130/80. Den oberen Wert bezeichnet man als den systolischen, den unteren als den diastolischen Druck. Beide sind wichtig, um beurteilen zu können, ob der Blutdruck erhöht ist und somit ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht. Seit einiger Zeit weiß man aber, dass nicht nur der systolische und der diastolische Blutdruck wichtig sind, sondern dass auch der Abstand zwischen beiden Werten von Bedeutung ist. Er wird als Pulsdruck, Blutdruckamplitude oder im Englischen als Pulse Pressure bezeichnet. In dem oben genannten Beispiel errechnet er sich zu 130 – 80 = 50. Eine erhöhte Blutdruckamplitude erhöht das kardiovaskuläre Risiko.



